Grandiose Aussicht

„Meine Intention, in die Schweiz zu gehen, war relativ einfach und lässt sich mit ‚die Schnauze voll haben‘ am treffendsten auf den Punkt bringen“, antwortet Heiko Blumentritt ohne Umschweife auf die Frage nach seinen Gründen, Deutschland zu verlassen. Der Rahmen, den er zum Leben dort vorgegeben fand, war ihm einfach zu klein. Der leitende Angestellte fasste gemeinsam mit seiner Ehefrau den Entschluss: Wir verlassen Deutschland.
Nach der mentalen Absage an eine Zukunft in Südhessen reifte der konkrete Plan relativ schnell. Seine erste Tätigkeit in der Schweiz wurde über einen Headhunter vermittelt. „Der Personalvermittler hat sich wirklich vorbildlich um meine Belange gekümmert. Auch nach der Jobvermittlung hat er mich weiter unterstützt und noch heute stehen wir in Kontakt. Die Vermittlung durch Headhunter ist hier weiter verbreitet als in Deutschland, nicht nur für Kaderpositionen, auch für die untere Ebene, wie ich bei meiner Frau als Technische Zeichnerin erleben konnte.“
Im Dezember 2007 waren die neuen Jobs unter Dach und Fach. Sechs Monate Kündigungsfrist ließen den Blumentritts nun genügend Zeit zur Wohnungssuche am neuen Ort, dem Dörfchen Balgach im Kanton St. Gallen. „Gleich die zweite Wohnung war ein Treffer. Der Mietvertrag wurde für Mai fixiert“, erinnert sich der Deutsche. „Der Makler sagte uns die Wohnung per Handschlag zu, was hier genauso verbindlich ist wie ein schriftlicher Vertrag.“
Mit seinem Arbeitsantritt lernte der Diplom-Ingenieur dann ein anderes Arbeitsklima kennen: „Man merkt einfach, dass dem Arbeitgeber der Wert seiner Mitarbeiter klar ist, dementsprechend verhält er sich auch, das stellt man durch viele Kleinigkeiten im täglichen Arbeitsleben fest. Die meist auf Kompromisse ausgerichtete Art fällt von Beginn an auf: Es wird nie direkt gesagt, wenn etwas stört, immer wird eine Lösung gesucht und nicht auch mal auf den Tisch gehauen, das kann manchmal schon ‚anstrengend‘ sein ...“, so der 35-Jährige.
Doch dieses Fingerspitzengefühl seines Arbeitsumfeldes hat auch auf Heiko Blumentritt abgefärbt. Das Ergebnis: „Ich hatte bis jetzt keine Schwierigkeiten mit den Schweizern in meinem Umfeld. Man muss einfach auf die Kleinigkeiten achten und nicht mit der Tür in Haus fallen. Auch kann es den Umgang massiv erleichtern, wenn man den Leuten vermittelt, dass man Schwizerdütsch versteht und ihnen anbietet, dass sie weiter Dialekt reden können. Für mich ist der Weg in die Schweiz auf jeden Fall ein One-Way-Ticket. Allein schon die Landschaft ist einfach traumhaft, wenn man den Sinn dafür hat. Wir wohnen im Rheintal und meine Arbeitsstelle liegt im Appenzeller Land auf 900 Metern Höhe. Der Weg von der Arbeit ist da schon die erste Erholung: Wenn sich der Blick vom Berg über das Tal öffnet, das ist grandios, da fängt der Feierabend schon auf dem Heimweg an!“