Freizeit mit Schweizern
Die Deutschen gelten als Vereinsmeier. Auf 1.000 Bundesbürger kommen 7 Vereine. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es 120.000 davon. Es gilt das Sprichwort: „Wo drei Deutsche sich treffen, gründen sie einen Verein.“ Doch auch die Schweizer pflegen ihre sozialen Kontakte in Vereinen, Gruppen und Gesellschaften. Und in der Schweiz benötigt man sogar nur zwei Personen, um den Verein zu gründen. So wundert es auch nicht, dass es allein 27.000 Schützen- und Sportvereine in den Schweizer Kantonen gibt. Über die Vielzahl weiterer Organisationen und Gruppen aller Art kann man nur mutmaßen, da es keine Registerpflicht gibt. Aber sicher ist: Es sind sehr viele. Und in den meisten sind auch Zuwanderer gerne gesehen. „Es gab Momente, in denen ich drauf und dran war, die Schweiz wieder zu verlassen. Grund war die mangelnde Integration in Zürich. Das änderte sich schlagartig, als ich verschiedenen Organisationen beitrat. Über diese konnte ich in der Folge in kürzester Zeit einen Bekanntenkreis aufbauen. Heute kann ich sagen, dass Zürich die attraktivste Stadt ist, in der ich bisher gelebt habe.“
GianPiero Curatolo, Zürich
„Das Wichtigste ist, gerade für ein Kind, das sämtliche Freunde zu Hause lassen musste und hier erst mal ziemlich alleine dasteht, die Familiengeborgenheit. Darüber hinaus kann ich Eltern nur raten, die Kleinen so bald wie möglich in einem Verein, Club oder Ähnlichem ihren Interessen entsprechend anzumelden. Bei uns war es der Sport, nicht zuletzt weil meine Tochter auch in Hamburg schon intensiv trainiert hatte, bei anderen ist es der Pfadi (Pfadfinderverein), ein Schachklub oder töpfern, wichtig ist, schnell Kontakt zu den Schweizer Kindern herzustellen, damit neue Bindungen entstehen können.“
Iris Pasternack, Winterthur
„Einen entscheidenden Schritt in die Integration haben wir auf Grund eines Abendspaziergangs gemacht. An einem Novemberabend sind wir zufällig an einer Kirche vorbeigekommen. Zu unserem Erstaunen war noch Licht im Kirchenraum. Als wir hineinschauen wollten, kam eine Reihe von Frauen heraus, die gerade eine Chorprobe hatten. Meine Frau kam mit ihnen ins Gespräch, da sie in Deutschland auch in einem Chor gesungen hatte. ,Neue Mitglieder können wir immer gebrauchen, willst du dich nicht mal gleich mit dem Kantor unterhalten?‘, wurde sie schnell gefragt. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Kantor hat sie vorsingen dürfen. Wirklich sehr überraschend. Die Folge war, dass wir mit einem Schlag eine ganze Reihe von neuen Leuten kennen gelernt haben, sowohl Deutsche als auch Schweizer. Manche kennen wir inzwischen richtig gut und unternehmen auch einiges mit ihnen.“
Frank Leistner, Zürich
„Ich habe mir sehr schnell ein privates Umfeld schaffen können, indem ich einem Sportverein beigetreten bin. Auch auf Festen und Veranstaltungen in der Stadt habe ich dann mit meiner Familie immer wieder Bekannte getroffen. Ich spiele bis heute einmal in der Woche Volleyball.“
Klaus Himbert, Cham