Von Kunden und Dienstleistern

Große Unterschiede scheint es zwischen der eigenen Wahrnehmung deutscher Behörden und dem Selbstverständnis von Schweizer Ämtern zu geben. In Deutschland sind Behördengänge oft langwierig, umständlich und nervend. Als Bürger bekommt man nicht selten das Gefühl vermittelt, ein Bittsteller zu sein oder gar unlautere Absichten zu verfolgen, egal ob Straßenverkehrsamt, Steuerbehörde oder Einwohnermeldeamt. Formulare sind in Deutschland wichtiger als bürgernahe Lösungen. In der Schweiz dagegen scheint es so zu sein, dass zuerst der Bürger kommt und dann die Bürokratie. Hier ein paar Stimmen dazu: „Bemerkenswert ist für mich von Anfang an die Kompetenz der Behörden gewesen, mit denen ich zu tun hatte: egal, ob Einwohnerkontrolle, Straßenverkehrsamt oder Steuerbehörde. Eine Antwort: ,Dafür bin ich nicht zuständig‘ habe ich nicht gehört. Und es gab für mich bislang auch nirgends lange Wartezeiten – weder bei Behörden, noch beim Arzt. Alles wirkt sehr effizient organisiert.“
Dr. Ralf Walter, Luzern

„In den ersten Monaten war ich besonders von der Organisation des Gemeinwesens schwer beeindruckt. Die Gemeinde nimmt ihre Bürger – und darunter subsumiere ich auch die Ausländer – als Kunden wahr und sich selbst als Dienstleister. Dieser Umgang steht in einem krassen Kontext zu den Erfahrungen, die ich in Deutschland gesammelt habe. Und auch nach sechs Jahren begeistert mich dieser Umstand immer wieder aufs Neue.“
Jürgen Winandi, Kreuzlingen

„Im Umgang mit den Ämtern erfuhr ich, dass die Schweizer Behörden längst nicht so gesetzesunterwürfig sind wie die Deutschen. Bei vielen Problemen wird gemeinsam nach einer vernünftigen Lösung gesucht, anstatt Macht zu demonstrieren.“
Sebastian Breuer, Zürich

„Bei jedem Behördengang ist es für mich immer wieder ein Vergnügen, wie man als Kunde und nicht als Bittsteller behandelt wird. Wenn man dann an deutschen Grenzen oder Flughäfen ankommt und dort muffige Beamte sieht, will man am liebsten auf dem Absatz kehrt machen!“
Andreas Cronenberg, Kt. Tessin

„Hilfreich und kooperativ finde ich die Behörden, die anders als in Deutschland nicht davon ausgehen, dass der Bürger sie übervorteilen will.“
Uwe Diesselmeier, Schaffhausen

„Ich habe ein Ticket wegen Geschwindigkeitsübertretung erhalten (1 km/h zu viel und 40 CHF). Ich war mir sicher dass ich nicht zu schnell war, habe es aber bezahlt. Drei Wochen später steht in der Zeitung, dass es an genau diesem Radargerät zu Fehlmessungen gekommen sei. Genau an demselben Tag habe ich die von mir bezahlte Geldstrafe direkt wieder auf mein Konto von der Stadt Zürich zurücküberwiesen bekommen. Darüber war ich doch sehr erstaunt, in Deutschland wohl undenkbar.“
Björn Bode, Zürich

„Es gibt Dinge, die einen Deutschen überraschen. Das Auto anmelden z. B. ist eine einfache und unkomplizierte Sache hier. Versicherungsnachweis und Fahrzeugausweis an das Straßenverkehrsamt schicken und zwei Tage später die Schilder bei der Post abholen und ans Auto stecken, das war’s. Einzahlungsschein zur Bezahlung liegt der Sendung auch noch bei.“
Heiko Blumentritt, Balgach